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BIG JOE TURNER Flip Flop And Fly Des Namenszusatzes »Big« hätte es gar nicht bedurft ? schon der kehlige, wuchtige Gesang verriet, mit was für einer Erscheinung man es zu tun hatte. Big Joe Turner war ein Koloss; er wurde nicht zuletzt deswegen zu einem der markantesten Bluesshouter seiner Generation,weil er seinen wuchtigen Körper als Resonanzraum zu nutzen verstand. Aufgewachsen in Kansas City, sang er schon Ende der Zwanziger gelegentlich in der Band von Count Basie und machte in den folgenden Jahrzehnten unzählige Jumpbluesund Boogie-Woogie-Aufnahmen. Als einer der wenigen R&BStars schaffte er den Übergang zum Rock'n'Roll und war mit Mitte vierzig auf einmal ein Star. Das lag vor allem an seinem Hit »Shake, Rattle And Roll« von 1954, später in deutlich zahmeren Versionen von Elvis und Bill Haley gecovert; doch im darauf folgenden Jahr entfaltet »Flip Flop And Fly« dieselbe urwüchsige Wucht. Zu einem soliden Backbeat röhrt Turner »I don't care if I die« (»Es ist mir egal,ob ich sterbe«) ? so eine Zeile muss man sich erst einmal trauen! EL DORADOS At My Front Door Die El Dorados benannten sich,was damals durchaus üblich war, nach einem Automodell, dem zweitürigen Cadillac-Coupé El Dorado; der Name »The Cadillacs« war schließlich schon vergeben. 1954 traten sie zu einem von der Plattenfirma Vee-Jay veranstalteten Wettbewerb an: Diverse Amateurgruppen konnten im »Park City Skating Rink«, einer Eislaufbahn in Chicago, die Spaniels herausfordern, das Zugpferd des Labels. Die El Dorados gewannen und bekamen einen Plattenvertrag. Die vierte Single »At My Front Door« macht die Band um den Leadsänger Pirkle Lee Moses Jr. ein Jahr später zu Stars. Kurzes Intro mit Saxofon, Piano und Bass, bevor die Drums loshämmern und der atemberaubende Gesang einsetzt ? eine manische Sternstunde des frühen Rock'n'Roll, in der der Sänger relativ unverblümt die eigenen sexuellen Fähigkeiten anpreist. Im September stürmt »Crazy Little Mama«,wie der Song bald überall genannt wird,die Billboard-R&B-Charts und verweilt 18 Wochen auf Platz eins. ELVIS PRESLEY Mystery Train »Mystery Train« ist die letzte Single, die Elvis Presley im Sommer 1955 auf Sun veröffentlicht. Sam Phillips hatte das Label 1952 in Memphis gegründet, um R&B-Platten herauszubringen. Elvis sang gerne Countryballaden und Gospel,war aber, wie viele Kids aus der weißen Unterschicht, auch von der schwarzen Subkultur fasziniert und stand besonders »auf die wirklich heruntergekommenen Mississippi-Blues-Sänger«. Als er 1953 zum ersten Mal bei Sun auftauchte,gab er vor,eine Platte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter aufnehmen zu wollen. »Ich kann alles Mögliche singen und klinge wie sonst niemand«,erzählte er der Sekretärin. Und das war nicht einmal gelogen. Davon ließ sich auch Sam Phillips beeindrucken und ab Sommer 1954 brachte sein Label Elvis-Singles mit Blues- und Countrymaterial auf den Markt, auf denen Elvis Rhythmusgitarre spielte und von dem Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black begleitet wurde. Einen Schlagzeuger ließ Phillips meistens weg; ihm schwebte ein »ganz eigener Sound« vor, der sich von der Konkurrenz abhob.
1953 war bereits die Originalversion von »Mystery Train« auf Sun erschienen ? und sie klang wahrlich geheimnisumwittert. Junior Parker sang einen schleppenden, abgehackten Blues mit Geisterbahn-Atmosphäre; ein Saxofon simulierte dazu die Signalpfeife des Zuges, der mit Parkers »Baby« unterwegs ist. Wohin? Ins Nirgendwo und zurück? Das wird auch in der flotteren Fassung von Elvis nicht klar, die aber zumindest nicht eine so düstere Stimmung heraufbeschwört wie das Original. Wie Elvis' vorherige Platten wird auch »Mystery Train« ein überschaubarer Achtungserfolg einer kleinen unabhängigen Firma.
Der Jungstar erregt damals weniger wegen besonders hoher Plattenverkäufe Aufsehen als vielmehr wegen der ekstatischen Tumulte, die er überall, wo er auftritt, unter seinem Teenagerpublikum verursacht; einige große Plattenfirmen haben bereits Lunte gerochen. Phillips erhält für den Elvis-Transfer die für damalige Verhältnisse unerhörte Ablösesumme von 40000 Dollar. Dafür bekommt RCA auch die Rechte an allen bisherigen Sun-Aufnahmen. Im Nachhinein hört sich das nach schlechtem Geschäft an, doch Sam Phillips hat nie bereut, dass er Elvis 1955 ziehen ließ. Seine Firma war einfach zu klein, um die Welteroberungs-Ambitionen von Elvis und dessen neuem Manager Colonel Parker realisieren zu können; und seine Soundvision war zu ruppig für den Massenmarkt. BOBBY CHARLES See You Later Alligator Bobby Charles ist erst siebzehn, als er für seine Schülerband in Abbeville, Louisiana, den Song »See You Later Alligator« verfasst. Ein Musikhändler erkennt das Hitpotenzial des Stücks und vermittelt einen Kontakt zu Leonard Chess von Chess Records,wo Stars wie Chuck Berry und Bo Diddley aufnehmen. Da der Plattenboss jedoch nicht den weiten Weg von Chicago nach Louisiana kommen kann, singt Charles ihm das Lied am Telefon vor ? und wird prompt unter Vertrag genommen.In einem Studio in New Orleans nimmt er das Lied auf. Als er kurz darauf erstmals nach Chicago reist, ist die Überraschung groß: »Als Leonard mich sah, sagte er nur ?Motherfucker!?«, erzählte Charles später. »Ich erwiderte: ?Wie bitte?? Er rief: ?Du bist ja gar nicht schwarz!? Ich sagte: ?Das weiß ich.?« Im Glauben, einen neuen R&B-Star entdeckt zu haben, hat Chess die Platte bereits veröffentlicht. Doch »See You Later Alligator« wird auch unter der Urheberschaft des weißen Jünglings zum Hit; 1956 gelangt der Song in der Version von Bill Haley gar bis auf Platz sechs der Billboard-Charts. EVELYN KÜNNEKE Du Bist Ein Tiger Evelyn Künneke kam aus altem Showbiz-Adel. Ihr Vater war Operettenkomponist, ihre Mutter Opernsängerin und so bekam die 1921 geborene Eva-Susanne Gesangs-,Schauspiel- und Ballettunterricht; Ende der Dreißiger galt sie bereits als eine der besten Steptänzerinnen Europas.Während des Kriegs spielte sie in Revuefilmen und hatte einen ersten Hit mit »Sing,Nachtigall, Sing«; in der Nachkriegszeit wurde sie dann vollends zum Star,auch wegen ihrer Vielseitigkeit ? ob schnelle, sentimentale oder humorvolle Nummern, sie hatte alles drauf. Für »Du Bist Ein Tiger« versucht sich das Orchester Max Greger an einem Latinrhythmus, besonderes Flair bekommt die Nummer nicht nur durch Künnekes aufgeräumten Gesang, sondern auch durch die überraschend dazwischenfunkende Hawaiigitarre. Nachdem ihre Karriere in den Sechzigern abklang, gelang Künneke Ende der Siebziger ein Comeback mit Hilfe des Filmemachers Rosa von Praunheim. Bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 2001 trat sie, sich selbstironisch »alte Schachtel« nennend, in Kleinkunsttheatern auf. FOUR FRESHMEN Speak Low Ohne die Four Freshmen wäre die Popgeschichte wohl anders verlaufen.Nicht nur, dass sie in den Fünfzigern eine Reihe von Jazz- und Doo-Wop-Gruppen maßgeblich beeinflussten. Auch für den jungen Brian Wilson waren die Gesangsharmonien von Bob Flanigan, Don Barbour, Ross Barbour und Ken Errair das Himmelreich. Sie weckten in ihm den Wunsch, ebenfalls eine Gesangsgruppe zu gründen,und die Harmonien,die er dann mit den Beach Boys probte,waren zumindest in der Anfangszeit eng an die der Four Freshmen angelehnt.
Wo aber kamen die Four Freshmen her? Sie waren Sänger und Jazzer ? zunächst jedoch nicht beides gleichzeitig. Sie sangen in Chören und solo, klassische Musik, Folk und die Popsongs der Vierziger, aber wenn es um Jazz ging, packten sie lieber ihre Instrumente aus: Gitarre, Trompete, Posaune. Im Sommer 1948 taten sich die Barbour-Brüder und Flanigan mit dem Sänger und Bassisten Hal Kratzsch zusammen,um die Urformation der Four Freshmen zu gründen. Üblich waren zu dieser Zeit fünfköpfige Vokalgruppen, bei denen die beiden Oberstimmen von Frauen gesungen wurden. »Wir beschlossen, dieselben weiten Fünf-Noten-Akkorde zu viert zu singen ? einen der vorhersagbarsten Töne ließen wir einfach weg«, sagte Ross Barbour. Zu jener Zeit,Ende der Vierziger,Anfang der Fünfziger, hatte der Bebop seinen Zenit bereits überschritten und der kühle, avantgardistische Sound des Stan Kenton Orchestra galt als neueste und interessanteste Entwicklung im Jazz. Auch die Four Freshmen bewunderten Kenton. Bei der Ausarbeitung ihrer Gesangssätze orientierten sie sich daher an seinen Aufnahmen ? vor allem an den Posaunenparts.
Die Wertschätzung wurde erwidert, als Kenton die Band zum ersten Mal hörte. 1950 verschaffte er ihnen einen Plattenvertrag mit Capitol Records, wo er auch selbst veröffentlichte. Und er lieh ihnen seinen Arrangeur Pete Rugolo aus. Ihr zweites, 1955 eingespieltes Album Four Freshmen And Five Trombones ? inzwischen hatte Ken Errair Hal Kratzsch ersetzt ? wird nicht zuletzt dank Rugolo ihr größter künstlerischer und kommerzieller Erfolg. Mit den bewunderten Kenton-Posaunenparts ist der Arrangeur bestens vertraut, schließlich hat er die meisten davon selbst geschrieben. Für die vier Sänger komponiert er nun ähnliche Harmonien, so dass es eigentlich zwei Gruppen sind, die auf dem Album gegeneinander ansingen. »Speak Low« hatte Kurt Weill 1943 für das Musical One Touch Of Venus verfasst. Das Lied gilt heute als Standard, ist Teil des Great American Songbook und nahezu jeder Jazzsänger,der etwas auf sich hält, hat es im Repertoire. SMILEY LEWIS I Hear You Knocking Mit einer dröhnenden Stimme und ein paar Gitarrenkniffen bewaffnet, versuchte sich Smiley Lewis ab Ende der Vierziger im Vergnügungsviertel von New Orleans als Bluesmusiker.Zunächst war das Publikum nur mäßig interessiert, doch als der lokale Blues eine härtere Rock'n'Roll-Gangart einzuschlagen begann, kamen Lewis' Fähigkeiten zum Tragen. 1952 hatte er mit »The Bells Are Ringing« den ersten kleineren Hit, drei Jahre später kommt mit der Tanznummer »I Hear You Knocking« der große Erfolg: der rollende Rhythmus, Lewis' durchdringender Gesang und das Klavierspiel der Lokalgröße Huey »Piano« Smith machen den Titel zu einem prototypischen Zeugnis des New-Orleans-R&B. Es folgten eine ganze Reihe ungezügelt rockender Bluesnummern ? von denen auch etliche weiße Kollegen profitierten. So brachte Elvis im Jahr 1958 Lewis'»One Night Of Sin« als »One Night« in die Charts; später vergriff sich gar der unselige Shakin' Stevens an »I Hear You Knocking«. CATERINA VALENTE Ganz Paris Träumt Von Der Liebe Wenn Paris die Stadt der Liebe ist, dann singt Caterina Valente 1955 die zärtliche Hymne, die zum Klischee passt. Zu jubilierenden Geigenklängen preist sie die besondere amouröse Aura der Metropole, der sie mit viel Gefühl in der Stimme sogar eine Art romantischen Magnetismus zuschreibt: »Wer verliebt ist, wer verliebt ist in die Liebe,kommt nach Paris zurück«.Bei dem Lied handelt es sich um die deutsche Version von Cole Porters Musicalhit »I Love Paris«, der Text stammt von Kurt Feltz, einem der erfolgreichsten deutschen Schlagerautoren. Vorgetragen aber wird »Ganz Paris Träumt Von Der Liebe« von einer 24-jährigen Interpretin, die mit ihrem südländischen Charme und dem Akzent in der Stimme für die Sehnsucht der Nachkriegsdeutschen nach einem besseren Leben in fernen Ländern steht.
Als Kind einer berühmten Artistenfamilie war Caterina Valente von klein auf an Disziplin und unermüdlichen Arbeitseinsatz gewöhnt. Dem Publikum in Japan, den USA, Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern präsentierte sie über Jahrzehnte hinweg internationales Spitzenentertainment. Schlager und Chansons sang sie mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Jazz- und Bossa-nova-Nummern ? auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch und in acht weiteren Sprachen. »Man muss erkennen, was das Publikum von einem verlangt«, betonte Valente einmal in einem Interview. Und die Deutschen wollten vor allem Schlager von ihr. Die lieferte sie in den Fünfzigern und Sechzigern am laufenden Band: mal solo, mal im Duett mit Peter Alexander oder Bruder Silvio Francesco. Da die in Paris geborene Italienerin nicht nur gut singen, sondern außerdem Gitarre spielen, tanzen und schauspielern konnte, wurde sie zu dieser Zeit zum Topstar des deutschen Musikfilms.Dank ihrer künstlerischen Vielseitigkeit, dem Sinn für Komik und ihrer Weltläufigkeit war sie vielen Kollegen um Längen voraus.
Zeitgleich zu »Ganz Paris Träumt Von Der Liebe« hat Valente mit »Malaguena« 1955 ihren ersten großen Hit in den USA. Ihr gelang das Kunststück, sich als europäische Entertainerin im US-Showgeschäft zu etablieren, wo sie später mit Stars wie Bing Crosby und Dean Martin auftrat und sogar eine eigene Fernsehshow bekam. Als sich Caterina Valente im Jahr 2000 von der Bühne verabschiedete, konnte sie auf eine eindrucksvolle Karriere zurückblicken. Ihr Pensum aus 63 Jahren: zwölf Filme, über 1000 Fernsehauftritte und 1500 Lieder. JULIE LONDON Cry Me A River Etwas Geisterhaftes umweht diesen Revanchesong, diesen bitteren und doch zufriedenen Abschied von einer verwelkten Liebe. Mittels der makellosen Intonation ihrer rauchigen Stimme zelebriert Julie London hier die Attraktivität der Unnahbarkeit. So verführerisch sie auf den Covern ihrer Alben auch gestylt war, sie blieb eine Chimäre. Entsprechend hieß ihr erstes Album auch nicht »Julie is my name«, sondern Julie Is Her Name ? die Frau als fernes Objekt der Begierde.Gleichwohl vermittelt dieser Song den Eindruck äußerster Intimität,was nicht nur an der verblüffend nah aufgenommenen Stimme liegt, sondern auch an der elegant reduzierten Begleitung: Der Jazzgitarrist Barney Kessel und der Bassist Ray Leatherwood transportieren das Stück ins elegante Niemandsland zwischen Jazzstandard und Popballade. »Cry Me A River« wurde Julie Londons größter Hit und bleibt bis heute eine Herausforderung für fast jede Jazzsängerin. DEAN MARTIN Memories Are Made Of This »Memories Are Made Of This« ist Mitte der Fünfziger nicht nur ein Nummer-eins-Hit in den USA. Mit deutschem Text bringt Freddy Quinn das Stück auch hierzulande an die Spitze der Charts, unter dem Titel »Heimweh«. Die unterschiedlichen Versionen verraten viel über die Psyche der amerikanischen und deutschen Elterngeneration in der Nachkriegszeit. Der Folksänger Terry Gilkyson schreibt den Song zusammen mit den Easy Riders. Das Duo begleitet den Film- und Schlagerstar Dean Martin auch als Hintergrundchor, als er »Memories Are Made Of This« im Herbst 1955 aufnimmt. Das Lied blickt versonnen auf ein kleines Glück zurück: die erste gemeinsame Nacht, Hochzeitsglocken, Häuschen und drei Kinder ? und über allem wacht der Herrgott.
Dean Martin hasst Erinnerungen und seine Ehe ist gerade den Bach runtergegangen. In seinem Gesang schwingt die Melancholie einer Lebenslüge mit. Das kann man auch von der deutschen Fassung sagen, die Freddy Quinn aufnahm, kurz nachdem es Dean Martin mit seiner Botschaft an die Spitze der US-Hitparade geschafft hat. Statt um Beziehungsromantik im Vorgarten ging es nun allerdings um das Los des kleinen Mannes: »Harte Arbeit, karger Lohn, tagaus, tagein ? kein Glück, kein Heim«. Aus der amerikanischen Vorstadtidylle war so etwas wie Kriegsheimkehrerfolklore geworden ? und so rührte Freddys »Heimweh« 1956 zwei Millionen deutsche Plattenkäufer.Wie Freddy,der Waterkant-Seemann aus Österreich, verkörperte auch Dean Martin etwas Geheimnisvolles, Unergründliches. Anscheinend ein etwas oberflächlicher Typ,ohne brennenden Ehrgeiz und von keinerlei Dämonen getrieben, genügte es dem Einwanderersohn Dino Crocetti,einfach nur lässig zu sein.Das Glück flog dem ehemaligen Tankwart offenbar auch so zu. Entsprechend entspannt klang seine Selbsteinschätzung: »Ich bin nichts Besonderes, nur ein netter Bursche und ein verdammt guter Entertainer, der den Leuten einfach Spaß machen will.«
Wie gut er das konnte, bewies er erneut im Jahr 1964. Innerhalb von vier Monaten hatten die Beatles vier Nummer-eins-Hits gelandet und Dean Martin war genervt von den Fan-Schwärmereien seines zwölfjährigen Sohnes Dino.Er drohte: »Ich werde deine kleinen Lieblinge da oben von der Spitze runterholen.« Das Versprechen machte er im August mit »Everybody Loves Somebody « wahr. Ein Jahr später zeigte Martin es seinem Sohn noch einmal. Dino, Desi&Billy, die von Lee Hazlewood produzierte Kinderpopband von Dino Junior,war ebenso wie Dino Senior bei Frank Sinatras Reprise-Label unter Vertrag und kam mit ihrer Nummer »I'm A Fool« auf Platz 17 der US-Hitparade. Wenig später schaffte es der Vater mit »I Will« auf Platz zehn. CHET BAKER Let's Get Lost Die Beschwingtheit, die der Trompeter und Sänger Chet Baker in »Let's Get Lost« an den Tag legt, steht in eigenwilligem Kontrast zu der enormen Melancholie, die er immer wieder in leisen, dunklen Balladen ausspielen konnte.Umso erstaunlicher,wie viel Esprit und Unbekümmertheit Baker diesem Song verleiht. Vaughn Monroes Originalfassung aus dem Film Youth On Parade von 1943 war von getragener Langsamkeit, fast balladesk. Chet Baker dagegen nutzt das trotzige Auf- und Ausbruchspotenzial der Beat Generation und gibt dem Song einen beinahe hedonistischen Charakter.
Bakers Aussehen mochte viel zu seiner Popularität beigetragen haben: Es war mehr als nur ein Hauch von James Dean, der ihn umgab. Chesney Henry Baker Jr., wie er mit vollem Namen hieß, war Mitte der Fünfziger der stilprägende Hipster des Jazz: jung, attraktiv, talentiert wie kaum ein anderer Trompeter ? und als Sänger ein Phänomen. Er war cool, nicht nur weil er maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Cool Jazz hatte,sondern weil er die ideale Projektionsfläche für romantische Gefühle bot, für die Verachtung von Konventionen. Sein Problem: Chet Baker besaß nicht die psychische Konstitution, um damit spielen zu können. Sein Spiel in Gerry Mulligans Band machte ihn mit Anfang zwanzig schnell berühmt. Zu schnell. Er stand an der Spitze der Jazzwelt, doch die Berühmtheit vergrößerte nur den inneren Druck, dem er mit seinem Heroinkonsum zu entgehen versuchte. Baker durchlitt in den folgenden Jahren jede nur erdenkliche Erniedrigung: Aufenthalte in der Psychiatrie,Gefängnisstrafen,Gewalt auf den Straßen, die Schmerzen des Entzugs, Jahre, in denen er nur von Sozialhilfe lebte.1968 wurden ihm bei einer Schlägerei unter Junkies und Dealern fast alle Zähne ausgeschlagen.
Dennoch spielte und sang er weiter.Und anstatt ihn zu verhärten, machten diese Erfahrungen die Melancholie in seinem Gesang und seinem Trompetenspiel noch unergründlicher. Bis zu seinem Tod wusste er mit seiner Musik zu bezaubern und jede Bühne, auf der er stand,in magisches Licht zu tauchen.Am 13.Mai 1988 starb er, der Himmelsstürmer der frühen Jahre, nach einem Sturz aus dem zweiten Stock eines Amsterdamer Hotels. TENNESSEE ERNIE FORD Sixteen Tons Die Minengesellschaften im Kohlerevier von Kentucky behandelten ihre Bergleute kaum besser als Sklaven. Miete und Arztkosten wurden ihnen vom kargen Lohn abgezogen, der Rest wurde in Form von Ersatzgeld ausbezahlt, mit dem man nur im betriebseigenen Laden einkaufen konnte.Der heilige Petrus, heißt es in »Sixteen Tons« sarkastisch,könne dem Arbeiter nicht einmal die Flucht in den Tod ermöglichen,weil sogar dessen Seele dem Firmenladen gehöre. 1947 hatte Merle Travis seinen Folksong über die Elenden im Amerika der Dreißiger veröffentlicht, aber erst die Version des Countrysängers und Fernseh-Entertainers Tennessee Ernie Ford macht das Lied berühmt,sicher auch wegen des prägnanten Gospelpop-Beats. »Sixteen Tons« wird im Herbst 1955 zum Nummer-eins-Hit und ist vorübergehend sogar die am schnellsten verkaufte Single in der Geschichte der Plattenfirma Capitol. Darüber hinaus blieb der Song aber ein Kampflied gegen soziale Ungerechtigkeit; vor allem die letzte Strophe war wie geschaffen für die Straßenschlachten der Sechziger. JOHNNY CASH Hey Porter Im Sommer 1954 war Johnny Cash ein freier Mann. Er hatte seinen Militärdienst im bayerischen Landsberg abgeleistet und konnte sich nun in Memphis niederlassen, der Stadt seiner Träume, seitdem er als Sohn armer Baumwollfarmer im ländlichen Arkansas aufwuchs. In der Musikhauptstadt des Südens waren die Grenzen zwischen Country und R&B vergleichsweise offen ? einer der Gründe,warum Musik aus Memphis Mitte der Fünfziger die Welt verändern konnte. Im August 1954 erschien bei Sun Records »That's All Right Mama«, die erste Single von Elvis Presley. Der 22-jährige Cash erlebte das Fieber hautnah mit, das diesen neuen Performer von Anfang an umgab, doch anders als viele andere warf er seine eigenen musikalischen Vorstellungen deswegen nicht über den Haufen. Cash, der damals als Vertreter für Haushaltsgeräte arbeitete, probte zusammen mit den Automechanikern Luther Perkins und Marshall Grant weiter Gospel- und Country-Gassenhauer.
Am 22. März 1955 bekommt Cash nach mehreren Versuchen einen Vorspieltermin bei Sun. In seiner Autobiografie erinnert er sich, dass er »Hey Porter«, einen der wenigen eigenen Songs, »eigentlich nicht besonders gut fand« ? während der Sun- Records-Boss Sam Phillips den Titel sofort für die erste Single vormerkt. Als genialer Talententdecker erkennt er in Cash sofort einen großen Songschreiber und Sänger, der zudem mit einer außergewöhnlichen Band musiziert: Ihr Herz steckt in diesem spartanischen Sound, in dem alles Rhythmus und selbst Luther Perkins' E-Gitarre bis auf die Knochen reduziert wird. (Gleichzeitig übertüncht der Stil die technischen Mängel der Musiker.) Das ist nah am neuen Rockabilly und zugleich eine energiegeladene Form der Countrymusik,wie sie in Nashville undenkbar wäre.Der so genannte Boom-Chicka-Boom-Sound von Johnny Cash&The Tennessee Two wurde von diesem Song an zur Hitmaschine und blieb lange ihr Markenzeichen. Johnny Cash hatte »Hey Porter« in der Armee geschrieben und sogar im Magazin Stars & Stripes veröffentlicht.Das Lied erzählt von der Sehnsucht, nach drei Jahren in Deutschland endlich heimzukommen: Der Mann im Zug kann es nicht erwarten,im Süden zu sein,und traktiert den Schaffner immer wieder mit der Anrede »Hey Porter«.
Es war jedoch nicht diese etwas hysterische Heimathymne, die Erfolg hatte, sondern das Liebeslied »Cry Cry Cry«, das Labelchef Phillips für die Single-B-Seite gefordert hatte. Cash vergaß nie, dass Sam Phillips für ihn ? wie auch für Elvis, Carl Perkins und Jerry Lee Lewis ? ein Glücksfall war: »Er war keiner dieser Geschäftsleute und Produzenten aus der Musikbranche, die ihr Geld verdienen, indem sie Sänger und Musiker dazu zwingen, ihren Sound danach auszurichten,was sich gerade gut verkauft. Er ermutigte mich immer, es auf meine Art zu machen.« In der unvergleichlichen Laufbahn der Countryikone gelten die vier Jahre mit Sam Phillips als die besten, neben dem Karriereschlusspunkt mit dem Produzenten Rick Rubin. CHUCK BERRY Maybellene Hier wird sie erstmals auf Schallplatte gepresst, die schärfste, die eigentliche Gitarre des Rock 'n'Roll,mit den grundlegenden Riffs, die später Keith Richards, John Lennon und unzähligen anderen zeigten, wo's langgeht. Chuck Berry spielte diese Mischung aus R&B und stampfendem Hillbilly schon seit drei Jahren mit seiner Band in St. Louis. Sein Idol Muddy Waters vermittelte ihn zum Blueslabel Chess in Chicago; und dort erkennt man, dass Berrys Musik perfekt in diesen Sommer des musikalischen Aufbruchs passt,der sich bereits durch die hohe Hitparadennotierung für Bill Haleys »Rock Around The Clock« im Mai und Juni ankündigt. Doch »Maybellene« ist viel besser: junge Liebe, Eifersucht, schnelle Autos und eine Verfolgungsjagd, die irgendwie nach Sex klingt, dazu die irre Gitarre und der hämmernde Backbeat ? Berry zündet hier eine Bombe, die in den gesamten USA und darüber hinaus die Grundfesten des Teenagerdaseins erschüttert. Noch lange verkörperte er das Verführerische, Gefährliche des Rock'n'Roll. BO DIDDLEY Bo Diddley Bo Diddley führt noch seinen ordentlichen Namen Ellas
McDaniel,als er Anfang 1955 beim Plattenlabel Chess aufkreuzt.
Zwei andere Firmen haben ihn bereits als »Urwaldmusiker«
abgelehnt. Und auch den Chess-Brüdern scheint seine Nummer
»Uncle John« zu anzüglich. Ein neuer Text muss her und Ellas
besingt »Bo Diddley«, eine erfundene Type, die ihm gleich den
Namen überlässt. Bereits die erste Single enthält sämtliche
Markenzeichen von Diddleys Sound: scheppernden Mülleimer-
Rhythmus, das Geraschel der Maracas und den brettartigen
Gitarrenklang: »Mit meinen Wurstfingern kann ich nicht wie
andere Gitarristen greifen,deshalb spiele ich Trommelschläge auf
der Gitarre.« So beeinflusste Diddley später mindestens die Hälfte
aller britischen Sechziger-Beatbands. Für den großen Erfolg war
seine Musik jedoch zu afrikanisch. Er selbst fasste sein Dilemma
so zusammen: »Ich habe die Tür für viele Musiker aufgestoßen.
Die sind durchgegangen und haben mich mit der Klinke in der
Hand stehen lassen.« MUDDY WATERS Mannish Boy Wenn Muddy Waters 1955 buchstabiert,was es heißt, ein Mann zu sein, dann vermag zumindest sein schwarzes Publikum darin mehr zu lesen als bloßes Machogebaren: »I'm a man, child, spell M-A child N, no B-O child Y« (»Ich bin ein Mann,Kind, buchstabiere M-A Kind N-N, nicht J-U-N Kind G-E«). Ein Mann zu sein, das heißt aufrecht zu gehen, den Weißen auf Augenhöhe zu begegnen, sich nicht mehr aufgrund seiner Hautfarbe als »boy« anreden zu lassen, wie es lange üblich war. Ein Jahr zuvor wurde die Rassentrennung per Gesetz geächtet und in diesem Licht hört sich »Mannish Boy« wie eine Unabhängigkeitserklärung an. Während Muddy Waters die immer gleichen Sätze herausschleudert, insistiert seine Band mit elektrischer Gitarre,Schlagzeug und Mundharmonika auf einem hypnotischen Riff, steigert mit jeder Wiederholung die Spannung und Wucht.
Es ist diese ungekünstelte Intensität, die Muddy Waters zur prominentesten Figur des Chicago Blues machte.Der 1915 geborene Musiker war bereits 1940 von dem Folk- und Bluesforscher Alan Lomax auf einer Plantage im Mississippidelta entdeckt und aufgenommen worden.Nach dem Umzug nach Chicago tauschte er die akustische gegen eine elektrische Gitarre ein; eine Notwendigkeit, um in den überfüllten städtischen Bars überhaupt gehört zu werden. McKinley Morganfield hatte seinen Spitznamen Muddy Waters einst bekommen,weil er als Kind gerne in einem schlammigen Flussbett spielte. Nun machte er daraus einen Ehrentitel, indem er seine Gitarre mit vitaler Gewalt bearbeitete und seine Songs mit dem ungefilterten Dreck seiner Heimat im Süden anreicherte.Ergebnis war eine Serie einflussreicher Singles, die noch Jahrzehnte später nachhallte: »Hoochie Coochie Man«, »Got My Mojo Working«, »I'm Ready« oder »I Just Want To Make Love To You«.
Anfangs reichten Muddy Waters ein Bass und seine Slidegitarre als Begleitung, später war er Leiter und Arrangeur einer vollen Band: Unter anderem schärften Otis Spann,Willie Dixon und Buddy Guy ihr Handwerk beim »Boss Of Chicago«. Mehr als jeder andere Musiker stand Waters für die Verschmelzung von altem und neuem Blues in der Nachkriegszeit. Mit seiner tiefen, vollen Stimme und seiner natürlichen Würde zog er eine ganze Generation nicht nur schwarzer Kollegen in seinen Bann. Auch Bob Dylan, Eric Clapton und die Rolling Stones gehörten zu seinen erklärten Jüngern; Letztere benannten sich gleich nach einem Muddy-Waters-Song, während Led Zeppelin ihren Hit »Whole Lotta Love« ganz und gar einem seiner Riffs schuldeten. Ab Mitte der Sechziger verlor Waters zwar sein schwarzes Publikum an die neue Soulmusik. Mit Hilfe des Gitarristen Johnny Winter gelang ihm in den Siebzigern jedoch ein Comeback. Krönung dieser Karriere, die auf einer Plantage begann,war ein Auftritt im Weißen Haus. EDDIE CONSTANTINE Schenk Deiner Frau (Doch Hin Und Wieder Rote Rosen) Wenn man sich überhaupt noch an Eddie Constantine erinnert, dann als Darsteller des FBI-Agenten Lemmy Caution, als der er sich in den Fünfzigern durch Actionstreifen wie Rote Lippen ? blaue Bohnen und Rhapsodie in Blei prügelte. Doch Constantines Filmkarriere war Zufall; eigentlich wollte der Amerikaner mit dem Charme eines kultivierten Raubeins immer nur singen. Schon vor dem Krieg hatte er in Wien das Konservatorium besucht, danach schlug er sich in Paris,New York und Rio de Janeiro als Nachtclubsänger durch. Sein Durchbruch kam 1950, als ihm Edith Piaf ein Engagement im Moulin Rouge verschaffte.Nach ersten Aufnahmen für einen belgischen Produzenten sang er mit seinem wunderbar warmen Bariton ab 1953 auch deutsche Titel. »Schenk Deiner Frau (Doch Hin Und Wieder Rote Rosen)« gelangt 1955 bis auf Platz sieben der deutschen Charts ? sein größter Hit. SAM COOKE&THE SOUL STIRRERS The Last Mile Of The Way Der Gospel- und Soulsänger Sam Cooke war ein Meister der Doppelbödigkeit; viele seiner Songtexte sind voll mit versteckten Anspielungen. So wird auch »The Last Mile Of The Way«, der letzte und größte Hit, den er mit seiner Gospeltruppe, den Soul Stirrers, feiert, als persönliche Abschiedserklärung an die christliche Musik interpretiert: Besingt er hier nicht die letzte Meile seines Gospelpfads, den Blick bereits auf die sündige Popmusik gerichtet? Schon zuvor hatte der gut aussehende junge Sänger provokativ Sex und Spiritualität gemischt und so vor allem weibliches Publikum für sich gewonnen. Wenn er »Jesus Gave Me Water« oder »Touch The Hem Of His Garment« sang, dann blieben seine Texte zwar diesseits der Grenze zur weltlichen Lust, doch die Fans hörten in Cookes Stimme,was sie hören wollten. »Die Männer merken es vielleicht nicht«,kommentierte der Bluesmann Willie Dixon, »aber die kleinen Mädchen verstehen.« Als dürftige Kaschierung seines Wechsels zum Pop hängte Cooke, der eigentlich Cook hieß, seinem Namen ein »e« an.
Sam Cook wurde 1931 als Pfarrerssohn in Clarksdale, Mississippi, geboren und wuchs in Chicagos Schwarzenghetto Bronzeville auf. Als 20-Jähriger ersetzte er bei den Soul Stirrers den legendären Sänger Robert H.Harris.Fast eine Generation jünger als der Rest, brachte er eine neue Dynamik in die Gruppe ? und in die gesamte Gospelszene.Nicht nur dass Cookes relativ hohe, schneidende Stimme den dunklen Bariton Paul Fosters wunderbar ergänzte. Eine getragene Hymne wie »The Last Mile Of The Way« zeigt auch, wie umfassend der junge Sängerstar seine Kunst beherrscht: Die sparsame Rhythmusgruppe und die Harmonien der Soul Stirrers reichen vollkommen aus, um Sam Cookes Gesang mit seiner typischen sanften Phrasierung an einen Ort irgendwo zwischen Himmel und Erde entschweben zu lassen. »Anders als im traditionellen Gospel«, schrieb sein Biograf Daniel Wolff, »intonierte er keine Schmerzensschreie. Stattdessen schmückte er die Melodie Note für Note aus, bis sie leicht wie eine Zierborte über der Gemeinde hing.«
Ab 1956 aber sang Cooke zum Entsetzen konservativer Gospelfans die Musik des Teufels ? Pop! Nun wurde er von sirupsüßen Streichern und Chören begleitet; bald jagte ein Hit den nächsten: »You Send Me«, »Cupid«, »Chain Gang«, »What A Wonderful World«. Cooke spielte die Rolle des jugendlich-unschuldigen Balladensängers, erst Anfang der Sechziger griff er mit Songs wie »A Change Is Gonna Come« auch ernstere Themen auf.1964 wurde er unter mysteriösen Umständen in einem Motel erschossen, das er in Begleitung einer Prostituierten aufgesucht hatte. Einige Gospelprediger verkündeten nach Cookes Tod,nun habe sich der Teufel seinen Preis geholt. ROY HAMILTON Unchained Melody Im Januar 1955 kommt der Gefängnisfilm Unchained in die USKinos. Den Titelsong »Unchained Melody« singt im Film der Schauspieler Todd Duncan.Das Lied gleicht einem aus dem Knast heraus vorgetragenen Stoßgebet: Wird die geliebte Frau, deren Berührung der Häftling so sehr vermisst, auf ihn warten? Hält die Liebe der Zeit im Gefängnis stand? Der Song wird ein großer Erfolg und im Mai 1955 finden sich drei Versionen von »Unchained Melody« in den Top Ten der US-Charts, darunter die des R&Bund Gospelsängers Roy Hamilton.Dank seiner kräftigen,aber einfühlsamen Baritonstimme gelingt es ihm, den Spannungsbogen dieser gewaltigen Ballade auf fast zärtliche Weise aufzubauen; seine Version hat nicht nur in den Pop-, sondern auch in den R&B-Charts Erfolg. Roy Hamiltons Stil und seine unverwechselbare Stimme, die so wunderbar schluchzen konnte, beeinflussten sogar Elvis, der den ehemaligen Boxer sehr schätzte und »Unchained Melody« selbst coverte ? nur eine von rund 500 Versionen dieses Klassikers. GUITAR SLIM The Things That I Used To Do Er habe den Song im Traum empfangen, behauptet Guitar Slim 1955 gegenüber dem Kollegen Earl King: Ein Engel und ein Teufel hätten gekämpft,und weil es sich um einen Blues handele, habe der Teufel gesiegt. Bei den Aufnahmen in New Orleans spielt kein Geringerer als Ray Charles das Piano; der spätere Superstar schreibt auch das Arrangement. Art Rupe, Boss der Plattenfirma Specialty,hasst die schleppende Bluesnummer zwar,veröffentlicht sie aber trotzdem und verkauft mehr als eine Million Platten ? der ehemalige Landarbeiter Guitar Slim wird über Nacht zum Star. Zehn Jahre vor Jimi Hendrix machte er bereits mit verzerrten Gitarrensounds von sich reden und benutzte bei Konzerten ein extrem langes Verstärkerkabel, damit er im ganzen Saal umherlaufen und sogar auf der Straße spielen konnte. Die Tantiemen von »The Things That I Used To Do« gab Guitar Slim allerdings im Wesentlichen für Alkohol aus. Nach einer erfolgreichen US-Tour und ein paar kleineren Hits starb er 1959 an den Folgen des Suffs.
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